Eine kurze Einführung...
Das Arbeiten in der Matrix des Gewebes setzt neben der fachlichen Performance sehr gute Kenntnisse in Anatomie, Physiologie und Neurologie voraus.
(Verf.: A. Pinter, 2024)
Die Faszientechnik hat sich in der Tiermassage als eine bedeutende Methode etabliert, um muskuläre Dysfunktionen, Gelenkprobleme und allgemeine Bewegungseinschränkungen zu behandeln. Sie basiert auf der Annahme, dass das Bindegewebe – insbesondere die Faszien – eine Schlüsselrolle bei der Bewegungskoordination, Stabilität und dem Schmerzmanagement spielt. Faszien sind ein komplexes Netzwerk aus kollagenem und elastischem Gewebe, das nicht nur Organe, Muskeln und Knochen umhüllt, sondern auch die gesamte Körperstruktur stabilisiert und mit Nervenbahnen, Blut- und Lymphgefäßen durchzogen ist.
Faszien sind Bindegewebe-Strukturen, die in einem dreidimensionalen Netzwerk durch den gesamten Körper verlaufen. Sie bestehen hauptsächlich aus Kollagenfasern, die in unterschiedlichen Mustern angeordnet sind, je nachdem, welche Funktion sie erfüllen sollen.
Die Faszien sind nicht isoliert, sondern bilden ein zusammenhängendes, flexibles und widerstandsfähiges Netzwerk. Sie reagieren dynamisch auf Bewegungen und mechanische Belastungen, was sie zu einem essenziellen Bestandteil der muskulären und skeletalen Funktion macht.
Faszien übernehmen eine Reihe von physiologischen Funktionen:
Mechanische Stütze: Faszien bieten mechanische Stabilität und strukturieren den Körper, indem sie die Muskeln und Knochen miteinander verbinden. Sie ermöglichen eine effiziente Kraftübertragung von einem Körperteil auf einen anderen, was für die Bewegungskoordination von entscheidender Bedeutung ist.
Propriozeption und Koordination: Faszien sind reich an sensiblen Nervenenden, insbesondere den sogenannten „Propriozeptoren“. Diese sensorischen Rezeptoren nehmen die Spannung und Dehnung der Faszien wahr und übertragen diese Informationen an das Nervensystem. Dadurch wird die Körperwahrnehmung (Propriozeption) verbessert, was für die Bewegungskoordination unerlässlich ist.
Bewegungssteuerung: Faszien sind nicht nur passive Strukturen, sondern reagieren auf Bewegung und wirken aktiv auf den Körper. Sie verändern ihre Spannung je nach Aktivität und Belastung, was zu einer dynamischen Anpassung der Bewegungsabläufe führt.
Durchblutung und Stoffwechsel: Faszien sind eng mit den Blut- und Lymphgefäßen verknüpft. Eine gesunde Faszienstruktur fördert die Blutzirkulation und den Lymphfluss, was den Austausch von Nährstoffen und die Entsorgung von Stoffwechselabfällen unterstützt. Diese Funktion ist besonders wichtig für die Regeneration nach physischer Belastung.
Eine Funktionsstörung der Faszien kann verschiedene Ursachen haben, von denen die häufigsten mechanische Überlastung, Trauma, Inaktivität oder Stress sind. Eine schlechte Haltung oder wiederholte Fehlbelastungen können zu chronischen Verspannungen und Verklebungen im Fasziengewebe führen. Diese Verklebungen stören die Beweglichkeit und können sogar zu Schmerzausstrahlungen führen.
Die häufigsten pathologischen Veränderungen im Fasziengewebe umfassen:
Myofasziales Release: Hierbei handelt es sich um eine Methode, bei der gezielt Druck auf bestimmte Bereiche des Fasziengewebes ausgeübt wird. Dies kann die Muskeln und Faszienstrukturen dazu anregen, sich zu entspannen und die Mobilität zu erhöhen. Die Technik löst Verklebungen im Bindegewebe und stellt das natürliche Gleitverhalten der Faszien wieder her.
Fasziales Dehnen: Dehntechniken, die auf das Fasziengewebe abzielen, fördern die Elastizität und Flexibilität der Faszien. Langsame, gezielte Dehnungen fördern das Längswachstum der Faszienfasern und unterstützen deren Erholungsprozesse.
Kompression und Entlastung: Diese Technik beruht auf der Anwendung von Druck, der die Stoffwechselprozesse im Fasziengewebe anregt. Druckwellen können auch die lokale Durchblutung und den Lymphfluss fördern, was zu einer schnelleren Regeneration beiträgt.
Tapping und Vibration: Diese Techniken aktivieren die mechanorezeptiven Faszienstrukturen, die auf Vibrationen und rhythmische Stimulation reagieren. Sie helfen, die Spannung in den Faszien zu regulieren und die Beweglichkeit zu steigern.
Die Faszientechnik wird insbesondere bei Tieren eingesetzt, die aufgrund von Verletzungen, Fehlhaltungen oder degenerativen Erkrankungen eingeschränkte Bewegungsfreiheit und Schmerzen haben. Zu den häufigsten Indikationen gehören:
Muskelverspannungen und dadurch chronische Schmerzen: Bei Tieren, die unter chronischen Muskelschmerzen oder Verspannungen leiden (z. B. durch Überlastung oder Alter), kann die Faszientechnik helfen, die Faszien zu entlasten und die Beweglichkeit zu fördern.
Orthopädische Probleme: Tiere mit Gelenk- oder Wirbelsäulenproblemen (z. B. Arthrose, Bandscheibenvorfälle) profitieren von der Mobilisierung der Faszien, die die Gelenkbeweglichkeit verbessert und Schmerzen lindern kann.
Sport- und Leistungstiere: Für Tiere, die intensiven physischen Belastungen ausgesetzt sind, wie Pferde im Sport oder Arbeitshunde, kann die Faszientechnik helfen, die Regenerationszeit zu verkürzen.
Die Faszientechnik stellt eine effektive Methode zur Anwendung von muskulären und faszialen Störungen bei Tieren dar. Durch das gezielte Lösen von Verklebungen und das Fördern der Beweglichkeit im Bindegewebe kann die Körperwahrnehmung verbessert werden.
Ein tiefes Verständnis der Anatomie und Physiologie der Faszien ist für eine erfolgreiche Anwendung entscheidend, um die richtigen Techniken gezielt und effektiv anzuwenden.
Die Kombination aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung der Faszientechnik bietet ein leistungsstarkes Instrument für Tiermasseure, um die Lebensqualität von Tieren zu verbessern und ihre Mobilität zu fördern.